Artgerechtes Katzenfutter I

Was ernährt die Katze, was macht sie nur satt?

Es gibt Unmengen Katzenfutter auf dem Markt. Kaum einer hat da den Überblick. Aber glauben Sie an die glücklichen, gesunden Katzen in der Werbung? Oder daran, was Ihnen der Tierarzt empfiehlt? Glauben Sie lieber an die Natur! Nicht umsonst lautet der Titel des Schwarzbuchs Tierfutter „Katzen würden Mäuse kaufen“. Welches Futter einer Maus besonders nahe kommt, erfahren Sie im Folgenden.

Leider werden bei der Ernährung unserer Haustiere oft schwerwiegende Fehler begangen, sagt beispielsweise Tierheilpraktikerin Petra Scharl im September 2011 der Zeitung Blick Punkt. Sie beklagt, dass viele Katzen- und Hundefuttersorten zu viel Getreide, Konservierungs- und Farbstoffe, sowie synthetisch hergestellte Vitamine enthalten, die oft zu Erkrankungen und Allergien führen (Vgl. Artikel BlickPunkt). Aber starten wir erstmal beim gesunden Tier.

Katzen sind & bleiben Fleischfresser

Hauskatzen sind reine Fleischfresser (Carnivore) und ernähren sich in ihrer natürlichen Umgebung ausschließlich von kleinen Beutetieren. Das bedeutet, dass ihr Stoffwechsel auf die Verwertung tierischer Eiweiße (Proteine) ausgerichtet ist. Eine Katze vegetarisch oder gar vegan zu ernähren, ist also absolut gegen ihre Natur.

Wenn man sich die heutigen Massentierhaltungen ansieht, ist es verständlich, dass moralische Sorgen auftauchen, Tiere mit Tieren zu füttern. Denn auch Nutztiere sind fühlende und leidensfähige Wesen. Für überzeugte Veganer und Vegetarier empfehlen sich daher Kaninchen oder Wellensittich. Das Raubtier Katze braucht Fleisch.
Ihr Verdauungssystem ist nicht auf Getreide ausgelegt. Das beginnt schon beim Speichel: Im Gegensatz zum Menschen, dient der Speichel der Katze lediglich als Gleitmittel und enthält keine spaltenden Enzyme. Außerdem ist ihr Darm zu kurz, um Nährwerte aus dem Getreide ziehen zu können. Getreide macht Katzen zwar satt, ernährt sie aber nicht.

Was ist denn artgerechtes Futter?

Die zahlreichen Skandale der Lebensmittelindustrie zeigen, wie skrupellos zugunsten der Gewinnmaximierung mit der Gesundheit von Menschen umgegangen wird. Es ist daher leider nur mehr als logisch, dass es in der Tierfutterindustrie noch unmoralischer zugeht.

Der Idealfall wäre deshalb selbst zubereitetes Futter für die Katze. Die Abkürzung BARF steht für biologisch artgerechte Rohfütterung, aber darauf soll in diesem Artikel nicht näher eingegangen werden. Es geht im Folgenden vielmehr darum, die Angaben zur Zusammensetzung von Fertigfutter besser zu verstehen, um beurteilen zu können, welches Futter einem natürlichen Beutetier nahe kommt und welches nicht.

Die wichtigste Zutat: Fleisch als Proteinquelle

Achten Sie in erster Linie darauf, dass Ihr Futter als hochwertige Eiweißquelle möglichst viel (mindestens 90%) Fleisch enthält. Die Deklarationen auf den Futterverpackungen bzgl. des sogenannten Rohproteingehaltes sind oft irreführend, da nicht zwischen tierischem und pflanzlichem Eiweiß unterschieden wird.

Pflanzliche Energiequellen sind billiger als tierische. Deshalb werden sie im Tierfutter gerne verwendet. Zwar enthalten sie, ebenso wie tierische Produkte, Fette und Proteine, aber ein hoher Kohlenhydratanteil des Futters behindert die Verdauung von lebenswichtigem Protein. Katzen können an pflanzliche Kohlehydratträger gebundenes
Eiweiß nicht verstoffwechseln. Große Mengen pflanzlicher Bestandteile können außerdem eine Eiweißallergie begünstigen und sind oft für Krankheiten wie Fettleibigkeit, Verdauungsprobleme sowie Diabetes verantwortlich.

Eine gleichbleibende Qualität der Nährstoffe sind wichtig, weil das Verdauungssystem der Katze darauf programmiert ist, Nahrung von immer gleicher Qualität zu bekommen: Die vielen verschiedenen Beutetiere der Katze haben ernährungsphysiologisch eine fast 100% identische Zusammensetzung.

Vorsicht vor „Fleischigen Brocken“
Fleischige Brocken im Nassfutter bestehen nur selten aus Fleisch. Wenn Sie mal einen sog. „fleischigen Brocken“ zwischen den Fingern zerdrücken, werden Sie feststellen, dass die Reste selten faserig sind. Es handelt sich hier meist um „Sojapansche“.

Dr. Annette Schäuble rät: „Werden z.B. extra Öle und Fette hinzugefügt, handelt es sich IMMER um minderwertiges Fleisch.“

Pflanzen als Vitamin – & Mineralstofflieferant

Bei einer freilebenden Katze, die sich ausschließlich vom Beutefang ernährt, ist der Kohlenhydratanteil in der Nahrung sehr gering. In Magen und Gedärmen des Beutetieres befindet sich pflanzliches Material, dass selbst bei zehn Mäusen nur etwa einen Teelöffel ergibt. Die Menge unverdauter und vorverdauter Kohlenhydrat-Nahrung ist mit 1 – 4 % also minimal.

In der Natur handelt es sich hier üblicherweise um ein paar Körner Weizen oder Hafer bzw. wenige Bissen Obst, Gemüse und deren Samen. Diese Nahrung dient aber nur dann als natürlicher Vitamin- und Mineralstofflieferant, wenn die Kohlenhydrate aufgeschlossen, also praktisch anverdaut sind. Nur so kann die Katze sie verwerten.

In den meisten Fertigfuttermitteln werden die Vitamine leider durch die hohen Temperaturen während der Herstellung zerstört. Synthetisch hergestellt und nachträglich zugeführt sind sie aber leider kein befriedigender Ersatz: Es fehlen die Begleitstoffe, die ein natürliches Vitamin umgeben und es (vermutlich) so effektiv machen. Nur wenn das Futter kalt abgefüllt wurde, bleiben viele empfindliche Nährstoffe erhalten.

Nicht aufgeschlossene und zu hoch erhitzte pflanzliche Stoffe dienen als Ballaststoffe, um die Darmtätigkeit anzuregen. Bei einer Beutetier-Mahlzeit wird zur Anregung der Darmtätigkeit übrigens das Fell verspeist.

Vermeiden sollten Sie definitiv: Pflanzliche Nahrung als minderwertige Eiweißquelle (Grieben, Mais, Soja u.a.). Zucker, Saccharin (Süßstoff E954), Melasse, Karamell & Malz wirken lediglich geschmacksverstärkend & machen dick.

Mehle als billige „Füllstoffe“

Fleischmehl, Fischmehl oder Pflanzenmehl, sind immer Abfallprodukte aus der (Lebensmittel-)Industrie, die laut EU-Recht nur verbrannt, als Dünger verwendet oder zur Haustierfutterherstellung genutzt werden dürfen.
Tiermehl besteht beispielsweise aus Knochen und Trockenfleisch, sowie Schlachtabfällen (Konfiskaten). Auch wenn einige Menschen Fell, Hufe, Schnäbel, Haut, Krallen & Drüsen ekelerregend finden, diese Dinge frisst die Katze in freier Wildbahn beim Beutetier auch mit. Sie sind grundsätzlich nicht bedenklich, aber wenn die Nahrung fast ausschließlich daraus besteht und das wichtige Muskelfleisch fehlt, wird es problematisch.

Schlimm ist, dass es EU-Firmenvernetzungen möglich machen, dass die Rohstoffe für die Tiermehlherstellung aus Tierkörperbeseitigungsanlagen für Haustiere stammen. Denn obwohl es in Deutschland verboten ist, medikamentös behandelte, eingeschläferte oder aus Versuchslaboren stammende Tiere für die Tiermehlproduktion zu verwenden, wurde darin hierzulande bereits Narkosemittel nachgewiesen.

Nach der 20-minütigen Erhitzung auf  250° Grad bei einem Druck von 3 Bar, ist sonst aber nicht mehr viel drin, im Tiermehl: Es handelt sich um ein totes, völlig denaturiertes Produkt, in dem nicht nur alle Eiweiße, sondern auch Enzyme und Vitamine vollkommen zerstört sind. Ebenfalls eliminiert werden die für den Organismus lebensnotwendigen sekundären Nahrungsstoffe und die bioaktiven Substanzen.

Für die Herstellung von Katzentrockenfutter werden dem Mehl dann künstliche Vitamin- & Mineralstoffmischungen, Aminosäuren (also Eiweiß), Aromastoffe, Antioxidantien und Konservierungsstoffe zugesetzt. Mit natürlicher Nahrung hat das gar nichts mehr zu tun.

Inhaltsstoffe: Rohprotein, Rohfett/Rohöl, Rohfasern, Rohasche, Rohwasser

Diese Inhaltsstoffe sind keine Auflistung von Zutaten, sondern geben den prozentuellen Gehalt der Nährstoffe des Futters an, der im Labor nach einem vorgegebenen Verfahren ermittelt wurde. Und diese sagt rein gar nichts über die Qualität aus. Zum Beispiel haben Rindfleisch, Kartoffeln, Karotten und Reis ebenso wie Soja, Tiermehl, Motoröl und Holzkohle jeweils 10 % Rohprotein, 6,5 % Rohfett, 2,4 % Rohfaser, 68 % Feuchtigkeit und 3 % Rohasche.
Rohprotein ist lediglich ein anderer Begriff für den Gesamteiweißgehalt, der grundsätzlich möglichst hoch sein sollte. Dabei wird aber nicht zwischen tierischen oder pflanzlichen Proteinen unterschieden. Ebenso sagt der Rohfettanteil nichts darüber aus, ob die für Katzen guten tierischen Fette oder weniger förderliche pflanzliche Fette enthalten sind.
Der Begriff Rohfaser steht für enthaltene Ballaststoffe, wie z.B. Cellulose oder Lignin. Je höher der Rohfaseranteil ist, desto höher ist auch die Kotmenge und möglicherweise auch die minderwertigen pflanzlichen Ausgangsstoffe.
Unter Rohasche werden die Nährstoffe zusammengefasst, die beim Verbrennen des Futters als Asche zurückbleiben würden. Dabei handelt es sich vor allem um lebenswichtige Mineralstoffe und Spurenelemente. Der Richtwert liegt zwischen 1,7 – 2,8 %, ein zu hoher Rohascheanteil kann zu Nierenschäden, Knochenstoffwechselstörungen und vermehrter Zahnsteinbildung führen. Nassfutter sollte 70-85 % Rohwasser (Feuchtigkeit) beinhalten.

Deklarationen richtig lesen

– Grundsätzlich sind die Inhalte in abnehmender Reihenfolge nach Menge geordnet. Es steht immer das an erster Stelle, was am meisten drin ist.

– Zutaten, die unter 4% liegen, müssen laut Gesetzgeber gar nicht angegeben werden. So wird beispielsweise bei minderwertigem Futter oft Rote Beete untergemischt, um den Kot schön dunkel (und somit „gesund“) zu färben.

– Bei hochwertigem Futter sind alle Bestandteile mit dessen Prozenten einzeln aufgelistet. Seien Sie also skeptisch, wenn die Prozentangaben zusammengerechnet nicht bei 100 liegen.

– Eine lange Liste an Inhalts- und Zusatzstoffen spricht nicht für Qualität. Im Gegenteil!Alles, was zugesetzt wird, fehlt in der Rohware oder wurde bei der Verarbeitung zerstört.

– Gutes Futter wird kalt abgefüllt, um möglichst viele empfindliche Nährstoffe zu erhalten

Ist das nicht viel zu teuer?

„Die Deutschen geben dreimal mehr für Haustierfutter aus als für Babynahrung. Doch gesund für Katze und Hund ist das Futter deshalb nicht.“ (Elke Bodderas, Die Welt)
Der Preis ist nicht ausschlaggebend für die Qualität. Sowohl minderwertige, als auch hochwertige Futtermittel sind in allen Preisklassen vertreten.

Artgerechtes Futter scheint trotzdem auf den ersten Blick erst einmal zu den teureren zu gehören. Ein hochwertiges Fertigfutter kostet etwa 1 Euro pro 100 g. Aber nur weil ein Futter so viel kostet, ist es nicht automatisch hochwertig!

Von einem hochwertigen Futter braucht eine Katze meist nur halb so viel wie von einem minderwertigen, um rundum mit allen Nährstoffen versorgt zu sein.
Frisst die Katze weniger, aber gutes Futter, kommt ein weiterer positiver Aspekt zu Tage: Durch eine verminderte und geruchsneutralere Kotmenge, verbrauchen Sie weniger Katzenstreu.
Und wenn die Katze erstmal vom schlechten Futter krank ist, übersteigen die Tierarzt-Kosten schnell den Wert, den man für hochwertiges Futter und somit die Verhinderung der Krankheit ausgegeben hätte.

Unterm Strich ist hochwertiges Futter also sogar günstiger für Ihren Geldbeutel!

Durch artgerechte Ernährung Krankheiten vorbeugen

Schwer verdauliche Proteine pflanzlicher Herkunft (Getreide), deren Abbauprodukte die Niere belasten können, sind möglicherweise ein Grund, warum so viele Katzen Nierenleiden haben. Mittlerweile stirbt fast jede zweite Katze an Nierenversagen und auch andere chronische Erkrankungen wie Diabetes, Blasenentzündungen, Blasensteine, Hormonstörungen usw. finden ihre Ursache in der falschen Zusammensetzung der Futtermittel. Damit Sie sich im Extremfall nicht vorzeitig von Ihrem Liebling verabschieden müssen, beugen Sie mit artgerechter Haltung vor! Füttern Sie Ihr Tier möglichst natürlich und hochwertig.

Damit Sie & Ihr Liebling eine lange, gesunde & glückliche Zeit miteinander haben!

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Bleiben Sie dran! Im zweiten Teil zum Thema Katzenernährung werde ich detaillierter auf die Stoffe eingehen, die nur in geringen Mengen enthalten sind. Es wird um Vitamine und Mineralstoffe, aber auch Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe gehen.

Im dritten Teil behandele ich die häufigsten Werbelügen und Missstände in der Futtermittelindustrie.

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Quellen:

http://www.miezfidel.de

http://www.welt.de/wissenschaft/article13435563/Deutsche-servieren-Haustieren-den-letzten-Frass.html

http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/313049

http://www.geliebte-katze.de/information/katzenhaltung/ernaehrung-der-katze/eiweiss-fette-kohlenhydrate-im-katzenfutter.html

 

Buchempfehlungen

– Katzen würden Mäuse kaufen: Schwarzbuch Tierfutter von Hans-Ulrich Grimm, Heyne Verlag (Taschenbuch – März 2009)

– Natural Cat Food: Rohfütterung für Katzen – Ein praktischer Leitfaden von Susanne Reinerth von Books on Demand (Broschiert – August 2008)

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