Artgerechtes Katzenfutter II

Die größte Gruppe der Inhaltstoffe von Nahrung, nämlich die energieliefernden Makronährstoffe Fett, Eiweiß und Kohlenhydrate wurden bereits im ersten Teil der Serie über Katzenfutter thematisiert. Aber auch Substanzen, die nur in sehr geringen Mengen im Futter enthalten sind, spielen eine große Rolle für die Gesundheit Ihrer Katze. In diesem zweiten Teil geht es um Mikronährstoffe. Dazu zählen Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe. Im dritten Teil wird es dann um die Stoffe im Katzenfutter gehen, die der Organismus der Katze nicht benötigt.

Essentielle Nährstoffe: Vitamine, Mineralien, Spurenelemente

Auch in diesem Artikel wird davon ausgegangen, dass eine natürliche Ernährung mit Beutetieren für die Katze als optimal gilt. Essentielle Nährstoffe sind Substanzen, die lebensnotwendig sind, aber vom Körper selber nicht oder nicht in ausreichender Menge hergestellt werden können.

Dazu gehören die Vitamine. Sie können in zwei Gruppen geteilt werden: Die fettlöslichen Vitamine (Das sind die Vitamine A, D, E & K) werden im Körper der Katze gespeichert und können überdosiert zu Erkrankungen führen. Die wasserlöslichen Vitamine werden sofort verwertet und bei einer Überdosierung einfach ausgeschieden. Provitamine sind Vorstufen der Vitamine, die erst der Organismus in Vitamine umwandelt.

Problematisch hinsichtlich der Vitaminversorgung der Katze mittels Fertigfuttermitteln sind zwei Dinge. 1. Natürliche Vitamine werden durch die (für eine längere Haltbarkeit notwendige) Erhitzung von Futtermitteln zerstört. 2. Werden die fehlenden Vitamine (u.a. auch für Vitaminpasten) synthetisch hergestellt und nachträglich zugefügt. Leider fehlen dadurch die natürliche Vielfalt und die extrem wichtigen Begleitstoffe, die ein natürliches Vitamin umgeben. Das kann zu Mangelerscheinungen und Krankheiten führen.

Die branchenübliche Verwendung von synthetischen Vitaminen geschieht aus Kostengründen und ist nicht optimal für die Katze.
Nachfolgend soll auf die wichtigsten Vitamine kurz eingegangen werden.

VITAMIN A /RETINOL
Das fettlösliche Vitamin A dient der Sehkraft, den Knochen und der Haut und ist in Leber, Eigelb und tierischen Fetten enthalten. Im Gegensatz zu Menschen und Hunden können Katzen kein Vitamin A aus dem sekundären Pflanzenstoff Betacarotin synthetisieren. Trotzdem ist ein Mangel sehr selten.

B-VITAMINE
Die Vitamine B1 (Thiamin), B2 (Riboflavin), B3 (Niacin), B5 (Panthothensäure), B6 (Pyridoxin), B12 (Cobalamin), Folsäure, Cholin und Vitamin H (Biotin) gehören zum B-Komplex und kommen in Fleisch (insbesondere Leber, Niere & Herz), Hefe, Eiern und Fisch vor. Ein Mangel ist äußerst selten und eine Überversorgung ist durch die Wasserlöslichkeit ausgeschlossen.

VITAMIN C
Vitamin C ist wichtig für das Immunsystem der Katze. Darüber hinaus spielt es beispielsweise auch eine Rolle für die Bildung von Kollagen, welches der Hauptbestandteil von Knochen-, Zahn- und Bindegewebe ist.

Katzen bilden Vitamin C selbst – und zwar in ihrer Leber aus Glukose. Allerdings braucht die Leber für die Verarbeitung von Glukose zwei Enzyme: Glukokinase und Hexokinase. Die Leber der Katze verfügt über eine aktive Hexokinase, allerdings nicht über aktive Glukokinase. Im Vergleich zu anderen Tieren sind Katzen deshalb schlechte Vitamin C -„Produzenten“: sie produzieren ca. 40 mg pro kg Körpergewicht, während Mäuse z.B. das 6-fache produzieren. Und mit fortschreitendem Alter, bei Krankheit oder Stress verringert
sich die körpereigene Produktion.

Für ein effektives, funktionierendes Immunsystem brauchen Katzen mehr Vitamin C als sie selbst produzieren können. Deshalb nehmen sie in der Natur Vitamin C zusätzlich mit dem Beutetier (Bspw. Leber & Adrenalindrüsen der Maus) auf. Wissenschaftler empfehlen eine Zufuhr von 100-500 mg Vitamin C täglich. Keine Sorge, Vitamin C ist wasserlöslich, Überschüsse werden vom Körper einfach ausgeschieden und sind ungefährlich. Forscher vom National Cancer Institute stellten schon 1978 fest, dass Vitamin C auch in hohen Dosen nicht toxisch wirkt und unbedenklich eingesetzt werden kann.

Leider hält sich das Gerücht hartnäckig, dass Vitamin C Nieren-/ Blasensteine verursacht. Es gibt aber keinen einzigen dokumentierten Fall darüber. Es gibt allerdings Feldstudien, die definitiv zeigen, dass ein Vitamin C -Mangel die Bildung von den Steinen begünstigen kann. (z.B. von Dres. Pauling und Belfield) Auch viele Wachstums- und Reproduktionsstörungen, Zahnfleischentzündungen und auch Tumorerkrankungen sind auf einen Mangel an Vitamin C zurückzuführen.

Tipp: Ester-C (Kalzium Ascorbate) ist an Kalzium gebundenes Vitamin C. Es ist basisch (neutraler pH-Wert) und hat eine erhöhte Bio-Verfügbarkeit. Im Gegensatz zur klassischen Ascorbinsäure zeichnet es sich durch eine bessere Verträglichkeit im Magen & Darm, sowie eine schnellere Aufnahme in die Zellen aus.

VITAMIN D
Vitamin D2 (Ergokalziferol) und Vitamin D3 (Cholekalziferol) sind Provitamine, die am Kalzium-Phosphor-Stoffwechsel (wichtig für die Knochen) beteiligt sind. Ein Mangel ist selten und eine überhöhte Zufuhr (fetthaltige Fische, Eigelb, Lebertran, Butter) kann zu Durchfall und Erbrechen führen.

VITAMIN E
Vitamin E (Tocopherole) wird in Katzenfutter oft als natürliches Antioxidans eingesetzt. Aber nicht nur im Futter, auch im Körper der Katze hat es die Aufgabe, Schäden durch Oxidation zu verhindern. Ein Mangel kann zu Problemen der Muskulatur, insbesondere des Herzens führen. Natürliche Lieferanten von Vitamin E sind beispielsweise Fleisch, Fisch, Eier und Weizenkeimöl. Die Natur hält ca. 40 verschiedene Varianten von Vitamin E bereit. Industriell hergestellt werden kann jedoch nur ein einziges.

VITAMIN K
Vitamin K ist vor allem für die Förderung der Blutgerinnung bekannt. Mangelzustände sind ungewöhnlich und äußern sich in Blutungsneigung und verlängerter Gerinnungszeit.
Natürliche vorkommende Verbindungen sind das von Pflanzen synthetisierte Phyllochinon (Vitamin K1) und Menachinon (Vitamin K2), das im Dickdarm durch Bakterien synthetisiert wird. Auf diesem Weg kann die Katze einen Teil der benötigten Menge Vitamin K im Darm selbst herstellen. Vitamin K ist also besonders wichtig für Katzen, deren Gallefluss gestört oder Darmflora vernichtet (z.B. durch hohe Dosen von Antibiotika) ist.
Im Fertigfutter für Heimtiere wird das synthetische Vitamin K3 (Menadion) eingesetzt. Die Wirkung jedoch ist sehr umstritten. Für Menschen ist Menadion in Deutschland nicht zugelassen.

Neben den Vitaminen gehören auch Mineralien zu den essentiellen Nährstoffen für die Katze. Sie werden in Spuren- (wie Zink, Eisen, Kupfer, Selen und Mangan) und Mengenelemente (wie Calcium, Phosphor, Natrium, Kalium, Magnesium) gegliedert und sind lebensnotwendige Bausteine und Regelstoffe. Mineralstoffe sind elementar für die Knochen, die Nerven, die Aktivität von Enzymen und Hormonen, den Proteinstoffwechsel und die Aufrechterhaltung des osmotischen Gleichgewichtes im Körper. Sie sind äußerst stabil und werden auch durch Erhitzen oder Einfrieren nicht zerstört. Allerdings können sie beim Kochen in das Kochwasser austreten.

KALZIUM & PHOSPHOR
Die Mineralien Kalzium und Phosphor spielen eine besonders wichtige Rolle für den Knochenaufbau. Man sagt, dass ein Kalzium-Phosphor-Verhältnis von 1,1:1 bis 2:1 als optimal für die Katze anzusehen ist.
Es kommt hier allerdings nicht nur auf die richtige Balance, sondern auch auf die Menge der Mineralstoffe insgesamt an. Alle Elemente, nicht nur Kalzium und Phosphor, sind voneinander abhängig und sollten im richtigen Verhältnis zueinander vorhanden sein sollten. Die Wechselwirkungen untereinander, auch mit einigen Vitaminen, sind sehr komplex. Daher kann ein Zuviel oder Zuwenig eines Stoffes die Aufnahme eines anderen beeinträchtigen.
Es handelt sich hier um ein sehr empfindliches System, in das man besser nicht eingreifen sollte.

NATRIUM & KALIUM
Natrium regelt zusammen mit Kalium und Chlor den Wasserhaushalt, den osmotischen Druck der Körperflüssigkeiten. Der ist wichtig für die Nerven und am Transport von Nährstoffen im Körper beteiligt. Auch für die Bildung der Magensäure ist Natrium unentbehrlich. Wichtig ist auch hier eine ausgewogene Balance. Während Kalium in purem Fleisch ausreichend enthalten ist, kommt Natrium nur minimal im Fleisch vor, ist aber in größeren Mengen in Blut, Knochen sowie Nieren vorhanden.

 

Gesundheitsfördernde Wirkstoffe: Bioaktive Substanzen

Bioaktive Substanzen sind im Gegensatz zu den essentiellen Nährstoffen nicht direkt lebensnotwendig, ergänzen diese aber in ihrer Wirkung (Watzl und Leitzmann, 1995).

Bei Pflanzen nennt man sie sekundäre Pflanzenstoffe (Primäre Pflanzenstoffe sind die am Energiestoffwechsel und am Aufbau der Zellen beteiligten Kohlenstoffe, Proteine und Fette). Sie bestehen aus zahlreichen chemisch sehr unterschiedlichen Verbindungen und werden von der Pflanze u.a. als Abwehrstoffe gegen Schädlinge und Krankheiten oder als Wachstumsregulatoren gebildet. Es handelt sich hierbei um Carotinoide, Glucosinolate, Monoterpene, Polyphenole, Protease-Inhibitoren, Saponine, Sulfide, Chlorophyll, Phytinsäure, Phytosterine & Phytoöstrogene.

Auch Fleisch enthält neben den üblichen lebensnotwendigen Nährstoffen zusätzliche, physiologisch aktive Komponenten, welche die Gesundheit fördern können. Zu diesen gehören L-Carnitin, Coenzym Q10, Carnosin, Anserin, Taurin, Kreatin, Glutathion, a-Liponsäure, konjugierte Linolsäure (CLA) und bioaktive Peptide.

TAURIN
Taurin ist für Katzen ein überaus wichtiger Nährstoff, der von ihr nicht selbst hergestellt werden kann und deshalb unbedingt über das Futter zugeführt werden muss. Es wird aber beim Kochen zerstört und muss Fertigfuttermitteln deshalb in ausreichender Menge nachträglich zugesetzt werden. Taurin ist ein schwefelhaltiges Aminosäurederivat, welches fast ausschließlich in tierischem Gewebe (in Muskeln, Gehirn, Herz und Leber) vorkommt. Die höchsten Konzentrationen finden sich in Meeresfrüchten (z.B. Muscheln, Tintenfisch).

Weil das Taurin, wie viele andere bioaktive Substanzen, durch hohe Temperaturen schnell zerstört wird, ist kalt abgefülltes Futter stets vorzuziehen. Denn in Studien wurde gezeigt, dass Produkte der Maillard – Reaktion (durch Erhitzen von Dosen), die Aufnahme von Taurin stark behindern, weil das Taurin im Darm durch Bakterien weitgehend zu Sulfat abgebaut wird und so für die Katze nicht nutzbar ist.

Damit Ihre Katze stets rundum versorgt ist, empfiehlt Dr. Schäuble: „supplementieren Sie ggfs. täglich 250-500mg.“ Sie haben Bedenken wegen einer Überdosierung? Nach atuellem Erkenntnisstand können dadurch keine Schäden entstehen. Um bei der natürlichen Fütterung zu bleiben, hier ein kleines Rechenbeispiel: Die Maus ist mit 240mg
Taurin/100g Maus das taurinhaltigste landlebende Tier. Sie enthält demnach ca. 74mg Taurin und eine Katze verspeist davon in Freiheit etwa 10 Stück. Die Empfehlung von Frau Dr. Schäuble liegt also noch weit unter der natürlichen Menge, kann aber die Gesundheit der Katze sichern.

Denn Taurin ist beispielsweise notwendig für die Entwicklung des Zentralnervensystems und die Herzfunktion, sowie für schnelle Heilungsprozesse und die Bildung von Gallensäuren. Es steigert die Abwehrkräfte und verhindert Mangelerscheinungen. Taurinmangel führt innerhalb weniger Monate zu einer Sehschwäche, und innerhalb von zwei Jahren zu völliger Blindheit.

Bemerkenswert ist das Ergebnis einer von der Zeitschrift „Öko-Test“ in Auftrag gegebenen vergleichenden Untersuchung mehrerer Katzennahrungsmittel. Dabei wurden Trocken-, Dosennassprodukte und verschiedene Fleischsorten miteinander verglichen. Das Testobjekt mit dem höchsten Tauringehalt war: eine Maus.

 

Im nächsten Teil der Serie über Katzenfutter wird es dann um die Stoffe gehen, die der Organismus der Katze nicht benötigt. Es geht um Zusatzstoffe wie Antioxidantien, Konservierungsmittel, Geschmacksverstärker, Lockstoffe und Farbstoffe. Bleiben Sie dran!
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Quellen:

http://www.agroscope.admin.ch/data/publikationen/pub_SchmidA_2009_19167.pdf
http://www.miezfidel.de/
http://www.pharmazie.uni-wuerzburg.de/Studium/Lmc/Seminare/taurin.pdf
http://www.welt.de/wissenschaft/article13435563/Deutsche-servieren-Haustieren-den-letzten-Frass.html
http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/313049
http://www.miau.de/tips/ernaehr/futter.html
http://www.cats-country.de/immunsystem.htm
http://www.pahema.com/cms/abt/10/itemgr/38/vitamin-k.html

– Katzen würden Mäuse kaufen: Schwarzbuch Tierfutter von Hans-Ulrich Grimm, Heyne Verlag (Taschenbuch – März 2009)
– Natural Cat Food: Rohfütterung für Katzen – Ein praktischer Leitfaden von Susanne Reinerth von Books on Demand (Broschiert – August 2008)
– Bioaktive Substanzen in Lebensmitteln von Bernhard Watzl & Claus Leitzmann, Hippokrates Verlag (Broschiert – Juli 2005)

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