Artgerechtes Katzenfutter III

Die Etiketten von Tierfutter können aufschlussreich sein. Einige Begriffe müssen aber sogar Experten nachschlagen. Dieser Artikel soll etwas Licht in das Dunkel von Konservierungsstoffen, Antioxidantien, Stabilisatoren, Geschmacksverstärkern und weiteren Inhalten im Katzenfutter bringen.

Beginnen wir gleich mit einem relativ neuen Trend: HYDROLYSATE sind Proteine, die bereits aufgespalten worden sind. Der Tierarzt erklärt diese Zusatzstoffe gerne als besonders gut verdaulich. Fakt ist aber, dass Hydrolysate handelsüblichen Zucker,
Karamell und Rübenschnitzel als Geschmacksverstärker und Lockstoffe abgelöst haben und laut Dr. Schäuble vor allem dazu dienen, Ihre Katze zu täuschen.

Wird DL-METHIONIN, eine künstlich hergestellte Aminosäure, zugesetzt, weist dies auf einen extrem geringen Fleischanteil der Rohware hin.

FRUCTO-OLIGOSACCHARIDE regeln die Darmtätigkeit und müssen dem Futter zugesetzt werden, wenn dieses schwer verdaulich ist. Auf diese Weise werden minderwertige Produkte aufgewertet.

Zur Haltbarmachung: Konservierungsstoffe & Antioxidantien

Antioxidantien werden eingesetzt, damit Fette nicht ranzig werden und Konservierungsstoffe beugen der bakteriellen Zersetzung der Nahrungsmittel vor.

Vorsicht: Hersteller, die ihre Produkte mit chemischen Antioxidantien konservieren, dürfen trotzdem „ohne Konservierungsstoffe“ auf ihre Verpackung schreiben!

Die Antioxidantien BHA (Butylhydroxyanisol, E320) und BHT (Butylhydroxytoluol, E321) sind krebserregend und für die Lebensmittelindustrie des Menschen längst verboten. Sie können u.a. Leberschäden, Krebs, Allergien & Blutgerinnungsstörungen verursachen.

E338 (PHOSPHORSÄURE) wird von der Verbraucherzentrale als bedenklich eingestuft, es kann in hoher Dosis die Aufnahme von Calcium, Magnesium und Eisen im Körper behindern und zu Knochenschwund und Kalkablagerungen führen.

Ein weiteres künstliches Antioxidans ist ETHOXYQUIN. Es wurde ursprünglich entwickelt, um die Haltbarkeit von Gummi zu verbessern. In Europa ist Ethoxyquin für Menschen nicht zugelassen, da es toxisch wirkt. Für die Heimtiernahrung sind jedoch kleine Mengen erlaubt. Als fettlösliche Substanz sammelt sich Ethoxyquin im Fettgewebe und Leber an, verursacht hier Schäden und kann u.a. Hautirritationen auslösen.

Auch PROPYLGELLAT, SORBINSÄURE, FUMARINSÄURE, PROPIONSÄURE, KALIUMSORBAT und NATRIUMNITRAT werden als Antioxidantien eingesetzt.
Unbedenkliche Antioxidantien sind beispielsweise Vitamin C (ASCORBINSÄURE)
und Vitamin E (TOCOPHEROLE). Weil sich Vitamine aber im Laufe der Zeit zersetzen,
ist die Konzentration – gerade bei frisch hergestelltem Futter – oft extrem hoch und so können insbesondere fettlösliche Vitamine gesundheitsschädlich wirken.

In Fleischwaren kann die bioaktive Substanz CARNOSIN als natürliches Antioxidans eingesetzt werden. Und auch TAURIN hat eine antioxidative Wirkung. Dr. Schäuble vermutet: „Möglich, dass deshalb oft so viel Taurin im Futter ist? Das wirkt dann beim Verbraucher so, als wäre es zum Wohl des Tieres.“

Normalerweise wird Katzenfutter mit physikalischen Verfahren konserviert. Dosenfutter wird erhitzt (pasteurisiert, sterilisiert) und die Konservierung von Trockenfutter erfolgt durch Wasserentzug. Auch Luftabschluss und Tiefkühlen sind gängige Formen physikalischer Konservierung.

Die chemische Konservierung durch Konservierungsmittel muss durch ihre Gattungsbezeichnung, den konkreten Namen oder die E-Nummer (200 bis 299) deklariert werden. Eine Liste, der in der europäischen Union zugelassenen Stoffe finden Sie unter folgendem Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_in_der_Europ%C3%A4ischen_Union_zugelassenen_Lebensmittelzusatzstoffe#Konservierungsstoffe

Aber Vorsicht: Auch wenn auf dem Futter „ohne Konservierungsstoffe“ steht, heißt das nicht, dass keine drin sind.  Der Hersteller muss nur deklarieren was er SELBER dem Futter beimischt. „Die Lieferanten der einzelnen Komponenten für das Futter haben diese oft schon vorher beigefügt. Fett wird z.B. gleich nach der Gewinnung mit chemischen Konservierungsmitteln versetzt um es vor dem Ranzigwerden zu schützen. Das gleiche gilt z.T. auf für das Getreide, welches gegen Verderb und Ungeziefer begast wird.“ (Dr. Annette Schäuble)

Oft steht auf den Verpackungen auch einfach nur EG/EU/EWG-Zusatzstoffe. Die Abkürzungen stehen für: Europäische Gemeinschaft/Europäische Union/Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, die bestimmte Stoffe für Tierfutter zulassen.
Wenn die Zusatzstoffe aber nicht einmal benannt werden, ist Skepsis angebracht.

Dr. Schäuble empfiehlt folgende Faustregel: „Beträgt die Haltbarkeit des Feuchtfutters mehr als ein Jahr, dann sind in ihm künstliche Konservierungsstoffe und/oder Antioxidantien enthalten!“

Geschmacksverstärker, Aroma- bzw. Lockstoffe, Farbstoffe

Allein im Jahr 2000 sollen 52.000 Tonnen Geschmacksverstärker im Tierfutter eingesetzt worden sein. Das wohl bekannteste Mittel, um den Geschmack zu verstärken ist Glutamat (umgangssprachlich für Mononatriumglutamat, E 621).

GLUTAMATE sind als Zusätze in sechs Glutaminsäureverbindungen (E 620 bis E 625) vom Gesetzgeber zugelassen. Die Glutaminsäure ist ein wichtiger Baustein der Proteine
und von Natur aus in jedem eiweißhaltigen Nahrungsmittel vorhanden. Ihre Salze und Ester werden Glutamate genannt. Des Weiteren ist Glutamat einer der wichtigsten erregenden Neurotransmitter im zentralen Nervensystem. Laut einer Studie der Universität Kiel verändert Glutamat „das Fressverhalten und steigert die Gefräßigkeit“ von Tieren. Bei Welt Online wurden die Resultate der Verwendung von Glutamat wie folgt zugespitzt: „Ein Großteil der Hunde und Katzen in den Industrieländern ist inzwischen grotesk fett“. Diese Sicht auf Glutamat ist jedoch wissenschaftlich umstritten.

Weitere Geschmacksverstärker verbergen sich hinter den E-Nummern 626-650. Vor allem die Nucleotide Natriuminosinat E 631 und Natriumguanylat E 627 kommen im Tierfutter zum Einsatz.

Aber es geht auch ohne E-Nummern: Ein feines, gelbbräunliches und wasserlösliches Pulver, eine Konzentration von abgestorbenen und aufgelösten Hefezellen, heißt auf dem Etikett schlicht HEFEEXTRAKT. Dessen Glutamatanteil muss aufgrund der rechtlichen Vorgaben in der Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung nicht angeführt werden.

MELASSE ist ein honigartiger dunkelbrauner Zuckersirup, der als Nebenerzeugnis in der Zuckerproduktion aus Zuckerrohr, Zuckerrüben und auch Zuckerhirse anfällt.

Neben den Klassikern wie Glutamat, Hefeextrakt und Melasse hat die Industrie außerdem LEBERSPRAY & -MEHL, KÄSEPULVER, FETTGESCHMACK, (RÄUCHER-) AROMEN, ZITRUSBIFLAVONOIDE und die bereits erwähnten HYDROLYSATE im Angebot, die nicht nur der menschlichen Nase schmeicheln: „Die Aromen im Futter maskieren unangenehme Zutaten“, loben die Aromahersteller in ihren Prospekten für die Tierfutterhersteller. Es geht hier also ganz bewusst um die Vertuschung minderwertiger Rohstoffe.
Zu den Aromastoffen gesellen sich Geschmacksverstärker wie L-LYSIN, ZWIEBEL- & KNOBLAUCHPULVERÖL, PHOSPHORSÄURE, SUCROSE, DEXTROSE UND
MOLKE.

Das Problem sind nicht unbedingt die Geschmacksverstärker & Aromen, sondern vielmehr die qualitativ schlechte Grundsubstanz der Nahrung, die durch diese Stoffe für Mensch & Tier unkenntlich gemacht wird.
„Mit der Maskierung des Futtermülls lässt sich dem Tier fast alles unterjubeln“, schreibt Hans-Ulrich Grimm, Autor des Buches „Katzen würden Mäuse kaufen“. Und auch der Spiegel titelt am 26.07.2011 zu diesem Thema: „Maskierter Müll“.

Chemische FARBSTOFFE können Allergien verursachen. Der Farbstoff E127 ist nachweislich verantwortlich für Schilddrüsenkrebs. Andere heißen beispielsweise: FDC GELBD NR. 5, SUNSET YELLOW, FDC ROT NR. 40, FDC BLAU NR. 3 + NR. 21, NATRIUMNITRIT, TITANOXID, EISENOXID und NATRIUMMETABISULFIT.

Weniger gefährlich, aber ebenfalls reine Täuschung: Bei minderwertigem Futter wird oft
Rote Beete untergemischt, um den Kot schön dunkel (und somit „gesund“) zu färben.

Auch GEWÜRZE & KRÄUTER können für Ihre Katzen gefährlich werden. Vorsicht ist vor allem bei Knoblauch und anderen Zwiebelgewächsen geboten. In diesen finden sich N-Propyl-disulfide (Schwefelverbindungen), die beim Tier Vergiftungserscheinungen wie Erbrechen, Durchfall, Schweratmigkeit und Blut im Urin auslösen können. Aber: Die Dosis macht das Gift. Einige Katzenhalter schwören auch auf eine positive Wirkung von Knoblauch. Auf Gewürze wie Thymian und Oregano sollten Sie aber verzichten. Denn diese haben laut Reinerth (Natural Cat Food) eine toxische Wirkung auf Katzen.

Stabilisatoren, Emulgatoren, Verdickungsmittel und Geliermittel

Diese Stoffe dienen dem Erhalt der Konsistenz, dem Aroma oder anderer Parameter. Beispiele sind MONOGLYZERIDE, DIGLYZERIDE, GLYZERIN, MODIFIZIERTE STÄRKE, ALGINAT, KARRAGEEN (aus Algen), Samenkleber wie CASSIA GUM, XANTHAN, SORBITOL, MAISSIRUP und PROPYLENGLYCOL, welches auch in Brems-
und Hydraulikflüssigkeit sowie in Frostschutzmitteln vorkommt.

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Quellen:

http://www.agroscope.admin.ch/data/publikationen/pub_SchmidA_2009_19167.pdf
http://www.miezfidel.de/
http://www.pharmazie.uni-wuerzburg.de/Studium/Lmc/Seminare/taurin.pdf
http://www.welt.de/wissenschaft/article13435563/Deutsche-servieren-Haustieren-den-letzten-Frass.html
http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/313049
http://www.miau.de/tips/ernaehr/futter.html
http://www.cats-country.de/immunsystem.htm
http://www.hundekatzenvital.de/Katzen/Ern%E4hrungundGesundheit/EthoxyquinimKatzenDi%E4futter/tabid/649/Default.aspx
http://tigamarkt.de/index.php/konservierung-im-futter

Buchempfehlungen:
– Katzen würden Mäuse kaufen: Schwarzbuch Tierfutter von Hans-Ulrich Grimm, Heyne Verlag (Taschenbuch – März 2009)
– Natural Cat Food: Rohfütterung für Katzen – Ein praktischer Leitfaden von Susanne Reinerth von Books on Demand (Broschiert – August 2008)
– Bioaktive Substanzen in Lebensmitteln von Bernhard Watzl & Claus Leitzmann, Hippokrates Verlag (Broschiert – Juli 2005)

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