Die Wahrnehmung der Katze – Teil 1: Sehsinn

Katzen sehen Fernsehfilme wie einen Dia-Vortrag. Das Licht von Neon-Röhren nehmen sie als permanentes An- und Ausschalten wahr. Sie sind im Dunkeln genauso blind wie wir. Katzen sehen nicht schärfer als Menschen. Warum das so ist, erfahren Sie im Folgenden.

Die Pupillen der Katzenaugen sind in ihrer Öffnungsgröße stark veränderbar, bei hellem Umgebungslicht sind die Pupillen senkrecht schlitzförmig und bei Dunkelheit extrem weit geöffnet. Sie können direkt in die Sonne blicken, ohne zu blinzeln. Ihre Pupillen verengen sich dabei zu einem schmalen Schlitz. In der Dunkelheit werden die Pupillen kreisrund und lassen besonders viel Licht ins Auge. Hauskatzen besitzen multifokale Linsen, die bei weit geöffneten Pupillen eine höhere Sehschärfe ermöglichen. Damit sie diese Linsen auch am Tag bestmöglich nutzen können, darf der Randbereich nicht völlig verdeckt werden, wenn sich die Pupille schließt. Ein Schlitz ist hier die bessere Lösung. Mehr dazu erfahren Sie auf der Website vom Tagesspiegel (siehe Quellenangaben am Ende des Artikels).

Flimmernde Bilder und flimmerndes Licht

Die Flickerfrequenz des Katzenauges liegt bei 60 Hz (60 Bilder pro Sekunde). Sie hängt davon ab, wie schnell sich die Photorezeptoren nach ihrer Entladung regenerieren und ein Bild aktualisieren können. Im Laufe der Evolution hat sich diese Fähigkeit an die Geschwindigkeit angepasst, mit der sich ein Tier durch seine Umgebung bewegt.

Alte Fernseher übertrugen die Bilder mit einer Frequenz von 50 Hz, was für das Katzenauge vermutlich nicht wie ein Film, sondern wie aneinandergereihte Standbilder (ähnlich einem Dia-Vortrag) aussieht. Es kann sein, dass Katzen Filme auf modernen 100 Hz (und mehr) Fernsehgeräten besser wahrnehmen, aber sie sehen ja sowieso wesentlich lieber aus dem Fenster als in den Fernseher.

Genauso wie flimmernde Bilder ab einer bestimmten Frequenz als Film wahrgenommen werden, wird auch flimmerndes Licht ab einer bestimmten Frequenz als konstante Beleuchtung wahrgenommen. Im Haushalt sollten Sie laut Feline Senses deshalb auf Neonleuchten verzichten. Diese seien für Katzen extrem anstrengend, weil sie die Schwingungen als permanentes Licht an- und ausschalten wahrnehmen.

Katzen können im Dunkeln sehen?

Katzen haben eine deutlich größere Hornhaut als der Mensch. Dadurch fällt mehr Licht ins Auge ein. Die weiter hinten gelagerte Linse führt dazu, dass ein kleineres aber deutlich helleres Bild auf der Netzhaut entsteht. Als Photorezeptoren (das sind die lichtempfindlichen Nervenzellen in der Netzhaut) der Retina dominieren bei der Katze die sehr lichtsensitiven Stäbchen. Sie sind für das Sehen bei Dämmerung wesentlich effektiver sind als die beim Menschen dominierenden Zapfen.

Trotzdem: Bei völliger Dunkelheit können Katzen genauso wenig sehen wie wir.
Durch das Tapetum lucidum (lat. „leuchtender Teppich“) sind sie aber dazu in der Lage, ganz wenig Licht wesentlich besser ausnutzen. Diese reflektierende Schicht hinter der Netzhaut des Auges wirkt wie ein Restlichverstärker. Es reflektiert 130-mal mehr Licht als die menschliche Netzhaut.

Katzen sehen nicht schärfer als Menschen

Eine Katze kann aufgrund des schlechten Auflösungsvermögens ihrer Augen Gegenstände erst aus 6 Meter Entfernung scharf sehen, die ein normalsichtiger Mensch bereits aus einer Entfernung von ca. 50 Meter erkennen könnte. (kidsnet.at) Das scharfe Erkennen von Objektdetails in der Ferne ist für Katzen wohl für das Überleben in ihrer ursprünglichen Umwelt eher zweitrangig.

Besonders interessant ist, dass die Freigängerkatze (laut Feline Senses) ihre beste Sehschärfe in einem Bereich von 4-6 Metern Entfernung hat, während Wohnungskatzen Dinge mit 2-6 Metern Abstand am schärfsten sehen.

Katzen können Farben sehen, aber Grautöne unterscheiden ist ihre große Stärke

Lange Zeit hieß es, Katzen können keine Farben sehen. Das ist nicht ganz korrekt. Fakt ist, dass das Erkennen von Farbtönen eine Fähigkeit der Zapfen der Retina ist. Katzen haben nur zwei Arten von Zapfen und können deshalb dichromatisch sehen. Menschen können mit ihren 3 unterschiedlichen Arten von Zapfen dagegen trichromatisch sehen, also alle Wellenlängen des sichtbaren Spektrums wahrnehmen. (Siehe Abbildung von kidsnet.at)

Farben haben für Katzen im Alltag jedoch keine große Bedeutung. Wichtiger ist es für sie, die in der Dämmerung üblichen verschiedenen Grautöne zu differenzieren, um ein Mäuschen nicht mit einem Blatt zu verwechseln.

Tierarzt Fasching konstatiert auf kidsnet.at: „Verglichen mit dem menschlichen Sehen ist das Sehvermögen der Katze in Bezug auf Tiefenschärfe, Farbsehen, Akkomodation und Sehschärfe deutlich reduziert. Qualitäten wie das Sehen bei schlechten Lichtverhältnissen, das Wahrnehmen von Bewegung, die Ausdehnung des Sehfeldes und das Differenzieren von Grautönen sind wesentlich besser ausgeprägt.“

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Quellen:

http://www.feline-senses.de/01_sinnesorgane.html
http://www.katzenjournal.eu/sinnesorgane_augen.htm
http://www.kidsnet.at/dr/visus_erw.htm

http://www.tagesspiegel.de/wissen/aha-warum-haben-katzen-geschlitzte-pupillen/1619418.html

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