Die Wahrnehmung der Katze – Teil 3: Der Geruchssinn

Wer mit einer Katze zusammenlebt weiß, sie sind die Meister des Naserümpfens. Mit Hilfe ihres Geruchsinnes prüfen sie kritisch das Futterangebot, regeln ihr Sexualverhalten und erkennen Artgenossen. Aber zum Aufspüren von Beute wird das Näschen kaum benutzt, da vertraut die Katze lieber dem perfekten Zusammenspiel von Ohren und Augen.

Der Geruchssinn von Katzen ist etwa dreimal so gut wie der des Menschen. So besitzt der Mensch etwa 20 Millionen Geruchszellen und die Katze bringt es auf etwa 60 Millionen. Diese Zellen verteilen sich bei der Katze auf ca. 20 cm² Riechschleimhaut (Mensch: 5cm²)

Mit der Größe des Riechorgans hat dessen Leistung also nichts zu tun. Hinter den kleinen Nasenlöchern befindet sich eine in viele Falten gelegte Nasenschleimhaut.

Das Parfum der Katze

Jede Katze hat einen ganz eigenen Duft, den sie mehrmals täglich in ihrem Revier verteilt. Über ihre Schweiß- und Talgdrüsen an den Schläfen, dem Kinn, der Unterlippe, am Schwanz, an der Analdrüse, entlang des Rückens und an den Pfoten markiert sie ihre Umgebung durch Reiben & Kratzen.
Wenn mehrere Katzen zusammenleben, bildet sich aus den einzelnen Düften ein Gruppenduft, der ebenfalls einmalig ist.
Wir Menschen sind nicht in der Lage diesen Duft wahrzunehmen. Für Katzen ist dieser Geruch jedoch elementar, denn nur wenn ihr Revier nach ihnen riecht, fühlen sie sich sicher und pudelwohl. Außerdem liefert der Geruch anderer Katzen wertvolle Informationen. Im Duft bekannter Katzen steckt deren Identität, in dem fremder Katzen unter anderem das Geschlecht, deren hormoneller Status sowie der Zeitpunkt des Markierens.

Wenn Ihre Katze Ihnen Köpfchen gibt, Ihnen um die Beine streicht oder auf ihrem Schoß tretelt, markiert sie Sie mit ihrem individuellen Geruch. Sie setzt eine Duftmarke mit dem Untertitel „Wenn du nach mir riechst, gehörst du zu mir“. Das Markieren mittels Urin ist allerdings weniger freundschaftlich gemeint: Es dient dazu, klarzumachen, wer der Revierinhaber ist und das Sagen hat.

Nasen- & Analkontrolle

Die dem Köpfchengeben in der Regel vorangehende Nasenkontrolle gehört bei Katzen einer Gruppe zum täglichen Ritual. Sie dient der Ermittlung der Tagesverfassung und der Bestätigung der bestehenden Rangordnung.

Bei einer Begegnung zwischen Fremden gibt das Beschnuppern aus sicherem Abstand (mit lang vorgestrecktem Hals und leicht schief gehaltenem Kopf) ebenfalls Auskunft über die Gemütslage des Gegenübers. Oft folgt auf die Nasenkontrolle die Analkontrolle.

Der Geruchscocktail aus Pheromonen, Schweiß, Harn & Kot liefert der Katze umfangreiche Informationen über Geschlecht, Gene, hormonellen Status und Revieransprüche.
Rümpft die Katze dabei die Nase, heißt das nicht „igitt, das stinkt“, sondern sie flehmt…

Das Flehmen

Manchmal zieht die Katze mit offenem Maul eine Art Grimasse: Zurückgelegte Schnurrhaare, nach hinten gerichtete Ohren, hochgezogene Oberlippe, leicht geöffnetes Mäulchen und eine auf den Gaumen gepresste Zunge – so sieht das Flehmen aus.

Was passiert? Sie führt mit der Zunge aufgenommene Geruchspartikel zum Jacobson`schen Organ (Vomeronasalorgan, VNO), das sich am Gaumen befindet. So kann sie die Gerüche genau analysieren, intensiv wahrnehmen und neue Gerüche besser aufnehmen und abspeichern.

Zu den besonders begehrten Düften gehören Katzenminze Nepeta cataria, Baldrian Valeriana, Actinidia polygama und Katzengamander Teucrium marum. Die Zeitschrift „Geliebte Katze“ fragte Ihre Leser  im Heft 8/2003: „Welchen Duft mag Ihre Katze?“ und erhielt verblüffende Antworten: „Katzen haben nicht nur ihren eigenen Kopf, sondern auch ihr ganz eigenes Näschen! (…) Kater Chilli beispielsweise kann den Geruch von Zahnpasta nicht leiden, während Katze Pepita ganz wild darauf ist. „Von Zahnpasta ist sie begeistert“, schreibt Pepitas Frauchen, „sie maunzt herzerweichend, während ich mir die Zähne putze.“. Eine andere Leserin berichtet: „Meine kleine Trine ist eine richtige Schnüfflerin. Edelmarken wie Uhu oder Pattex sind bevorzugt, eine Rolle Tesa oder selbst klebende Briefumschläge tun es auch.“

 

Tipps für den Umgang mit Katzen

Da Katzen auch uns am spezifischen Geruch erkennen, erscheint es dienlich, zum Beispiel bei der Eingewöhnung einer Katze ins neue Heim eine Weile auf geballte Duftmanöver wie Parfum oder Rasierwasser zu verzichten. Mit einem ständig wechselnden Geruchsbild kommt sie später (wenn sie uns kennt) aber deutlich besser zurecht als ein Hund, der geruchstechnisch in einer total anderen Sinneswelt lebt …

Ammoniak oder Lavendel wirken sehr intensiv auf kätzische Geruchsrezeptoren – weshalb Sie derlei Odeur vermeiden sollten, wenn Sie markierfreudige Vierbeiner nicht animieren möchten. Viele Reinigungsmittel enthalten Ammoniak, also achten Sie beim Einkaufen darauf.

Katzenspielzeug und Kratzbäume aus Fernost sind oft mit lösemittelhaltigen Farben und Klebstoffen gefertigt, die monatelang ausdunsten und das feine Näschen der Katze strapazieren. Bei Produkten von Rarissima wird komplett darauf verzichtet. Wenn wir Lacke und Lasuren verwenden, dann sind diese für Kinderspielzeug zugelassen und lösemittelfrei.

————————————-
Quellen:

http://www.feline-senses.de/01_sinnesorgane.html
http://www.katzenjournal.eu/sinnesorgane_riechen.html
http://www.welt-der-katzen.de/katzenhaltung/biologie/anatomie/sinnesorgane.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Hauskatze
http://www.geliebte-katze.de/information/verhalten-von-katzen/sinne-orientierung-von-katzen/geruchssinn-bei-katzen.html

Kommentare sind geschlossen.