Die Wahrnehmung der Katze – Teil 5: Der Tastsinn

In der Dunkelheit verlässt sich die Katze nicht nur auf ihre Augen und Ohren, sie ist von Tasthaarspitze bis zu den Pfötchen voll auf Empfang. Abgebissene Schurrbarthaare hindern Kitten daran, sich all zu freizügig zu bewegen und spezielle Temperatursensoren reagieren auf Kälte wesentlich empfindlicher als auf Hitze. Mehr zum Tastsinn der Katze erfahren Sie im Folgenden.

Tasthaare am ganzen Körper

Die Tasthaare der Katze werden auch Vibrissen genannt.

Sie setzen sich aus den Schnurrbarthaaren, den langen Haaren über den Augen, Wangen, Kinn, kleineren Haaren am Ellenbogen, den Hinterseiten der Beine und an den Fußballen zusammen. Die Tasthaare am Kopf sind auf dem rechten Bild sehr gut zu erkennen. Außerdem sind über ihren ganzen Körper sensible Leithaare verteilt, welche direkten Kontakt zu Tastsinneszellen in der Haut haben.

Die Haarwurzeln der Tasthaare liegen dreimal tiefer in der Haut als normale Haarwurzeln und sind mit zahlreichen Nerven verbunden, die Signale an das Gehirn der Katze weiterleiten. Vibrissen registrieren kleine Luftwirbel, die sich um Hindernisse bilden. So führen sie die Katze sicher und absolut unabhängig vom Sehsinn an Hindernissen vorbei. Nur durch ihre Vibrissen ist sie im Stande, sich selbst in völliger Dunkelheit zu bewegen. Diese Fähigkeit ist wahrscheinlich der Grund für den Mythos, dass Katzen ohne Licht sehen können. (Mehr zum Sehsinn der Katze können Sie hier lesen.)

Selbst derart geringe Luftbewegungen, wie sie entstehen, wenn eine Maus in ihr Versteck huscht, nimmt die Katze wahr. Für den Menschen ist das schwer vorstellbar, aber Katzen registrieren so etwas tatsächlich. Außerdem unterstützen die Tasthaare die Katze beim klettern, beim Beute fassen und vielem mehr.

Besonders sensibel: Die Schnurrbarthaare

Im Durchschnitt besitzt eine Katze 24 Schnurrbarthaare, also 12 auf jeder Seite. Diese kann sie bewusst bewegen. Sie geben dem aufmerksamen Beobachter Aufschluss über die Stimmung der Katze. Nach vorn gerichtet (wie auf dem Bild links) zeugen Sie beispielsweise von Neugier.

Sie nutzt ihre Schnurrhaare aber nicht nur zur Kommunikation, sondern auch als eine Art Maßstab: So weiß sie genau, ob sie durch einen Spalt durch passt oder ob er zu eng für sie ist.

Die Vibrissen sind bereits bei Neugeborenen voll entwickelt (im Gegensatz zum Seh- und Gehörsinn) was die Wichtigkeit dieses Sinnes gerade auch für die junge Katze verdeutlicht. Viele Katzenmütter beißen ihrem Nachwuchs übrigens die Schnurrhaare ab, um sie ein wenig in ihrem „Bewegungsdrang“ zu bremsen.

Empfindliche Pfötchen

Ebenfalls dem Tastsinn der Katze zuzuordnen sind die empfindlichen Sohlenballen der Katze. Die Empfindlichkeit ist so groß, das sie im wahrsten Sinne des Wortes mit den Pfoten „hören“ kann. Bodenvibrationen werden sehr feinfühlig wahrgenommen. Die Katze ist dazu in der Lage, das Laufen einer Maus in ihren Gängen wahrzunehmen. Weil es sich vorher durch leichte Beben ankündigt, kann das Verhalten der Katze auch als Erdbeben-Vorwarnung dienen. Am eindrucksvollsten zeigt sich die Empfindlichkeit der Pfoten bei tauben Katzen. Sie sind dazu in der Lage, selbst ganz leise Geräusche über ihre vibrationsempfindlichen Pfotenballen wahrzunehmen.

Temperatursensoren reagieren auf Kälte empfindlicher als auf Hitze

Für die Unterscheidung von „kalt“ und „warm” hat die Katze besondere Zellen. Aufgrund der Herkunft ist die Toleranz Wärme gegenüber größer als bei Kälte.

Die Temperatursensoren im Maul reagieren sehr viel schneller auf Hitze als die in den Pfötchen, da sie auf Wüstenboden eingestellt sind. Hier erweist sich die sensible Samtpfote als hart im Nehmen. So soll sie noch Temperaturen bis 52 °C gelassen ertragen.

Übrigens: Katzenkinder finden die Zitzen der Mutter nicht etwa über den Geruch, sondern durch deren Wärme. Kühlt man die Zitzen künstlich herunter, finden Kitten nicht mehr zur Milch.

 

Tipp für das Zusammenleben:

Die feinen Vibrationssensoren der Katze können im Fall von permanent rumpelnden Fahrstühlen, Lautsprecherboxen, Kühlschränken, Waschmaschinen etc. erheblich gereizt werden, was zu dauerhaften Stress führen kann.

 

Quellen:

http://www.feline-senses.de/01_sinnesorgane.html

http://www.welt-der-katzen.de/katzenhaltung/biologie/anatomie/sinnesorgane.html

http://www.fatvelvetbags.de/sinne.htm

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